Geld ist nie nackt
Geld ist nie nackt.
Es hat immer Klamotten an. Und die hängen davon ab, woher du es hast.
Auf dem Kontoauszug steht trotzdem jedes Mal dieselbe Zahl.
Selber angespartes Geld trägt Arbeitsklamotten. Du weißt, wie viele Monate, Stunden und Entscheidungen drinstecken. Das macht es schwerer, das Geld leichtfertig auszugeben.
Ein Jahresbonus kommt oft im Festgewand. Außerplanmäßig, ein bisl Belohnung, ein bisl „Das hab ich mir verdient“. Damit lässt sich leichter eine Reise buchen als mit dem Geld auf dem Rücklagenkonto.
Ein Lottogewinn kommt fast ohne Gebrauchsanweisung. Glück gehabt. Nix dafür getan. Also darf's sich auch schneller wieder verabschieden.
Und ein Erbe?
Das trägt die Sachen eines anderen Menschen.
Seine Arbeit. Seinen Verzicht. Eure gemeinsame Geschichte. Manchmal auch einen Abschied, den du dir nicht ausgesucht hast.
Deshalb darf geerbtes Geld erstmal liegen bleiben. Sechs Monate. Zwölf Monate. 24 Monate. Ganz egal. So lange, bis du dich bereit fühlst.
Nur kann diese Pause irgendwann zum Dauerstillstand werden.
Das Geld liegt dann seit zwei Jahren auf'm Tagesgeld. Es fühlt sich jede Alternative falsch an, weil jede Entscheidung plötzlich noch etwas anderes bedeutet:
„Wenn das Geld weg ist, ist auch das Letzte von ihr weg."
„Er hat sich das vom Mund abgespart. Ich kann das doch nicht einfach ausgeben."
„Verdient hab ich's nicht. Also steht's mir auch nicht zu."
Keiner dieser Sätze hat mit Rendite zu tun. Und trotzdem beeinflussen sie, was du mit dem Geld machst. Solang du sie nicht aussprichst, entscheiden sie ohne dich.
Die Frage dahinter lautet: „Was verbinde ich mit diesem Geld?"
Vielleicht Trauer. Vielleicht die Arbeit deines Vaters. Vielleicht Erwartungen und schlechtes Gewissen.
Wenn du das erkennst, ist das Gefühl nicht einfach weg. Das soll es auch gar nicht.
Du musst beim Blick auf das Geld nicht irgendwann gar nix mehr fühlen. Entscheidend ist der kurze Stopp zwischen Gefühl und Finanzentscheidung.
Was fühlst du grad? Woher kommt das? Und wie viel Raum soll dieses Gefühl bei der Finanzentscheidung bekommen?
Genau solche Fragen lerne ich in meiner Ausbildung zum Finanzcoach sauber zu begleiten. Ich helfe dir zu erkennen, was du mit dem Geld verbindest, und zu prüfen, welche Bedeutung du ihm heute geben willst. Die Entscheidung bleibt bei dir.
Dann darf das Geld weiter liegen bleiben. Oder du packst es mit ruhigem Gewissen an und gibst ihm eine Aufgabe: anlegen, ein Haus damit abzahlen, weniger arbeiten oder etwas davon weitergeben.
Die Herkunft bleibt. Das Gefühl bekommt seinen Platz. Und du triffst bessere Finanzentscheidungen, weil es nicht mehr unbemerkt für dich entscheidet.
Hast du das bei dir schon mal beobachtet? Bei einem Erbe, einem Jahresbonus oder bei Geld, das du selber angespart hast? Erzähl mir deine Geschichte. Antworte einfach auf diese Mail – ich les jede.
Schönen Sonntag noch.
Beste Grüße,
Matthias